Panasonic Lumix GX 9 – die beste Kamera für Streetfotografie?

Panasonic Lumix GX 9

Streetfotografie kann man auch mit dem Smartphone machen, ich weiß. Denn es kommt dabei nicht unbedingt auf die Perfektion an. Der Traum aller Streetfotografen ist aber trotzdem, und das nicht zu Unrecht, die Leica Q2. Für die meisten ein teurer Spaß und deshalb unerreichbar. Es gibt Alternativen. Besonders beliebt ist die X100 Baureihe von Fuji mit APS-C Sensor und 23 mm Festbrennweite bei einer Blende von 2.0. Das aktuelle Modell X100V kann sogar wetterfest ausgerüstet werden und kostet damit immer noch weniger als die Hälfte der Leica. Beide Modelle haben festverbaute Objektive. Anders die kleine GX9 vom Panasonic, meine aktuelle Lieblingskamera, die aktuell nur noch ca. halb so viel kostet, wie die Fuji.

Keine Frage, der Sensor der Lumix ist kleiner, „nur“ MFT. Damit aber auch die ganze Kamera. Und da viele Profis auf das MFT System von Olympics und Panasonic setzen, kann es so schlecht nicht sein, aber zu den technischen Unterschieden gibt es genügend Videos, damit möchte ich niemanden langweilen. Mir geht es um die Praxistauglichkeit.

Ich bin von der Nikon D7100 Spiegelreflex auf die kleine GX9 umgestiegen, weil mir schon das APS-C System von Nikon für viele Bereiche einfach zu schwer war. Gegenüber dem MFT System hatte ich die gleiche Skepsis, wie viele andere auch und liebäugelte eher mit einer Vollformatkamera als Nachfolger, aber die wäre ja noch schwerer und auffälliger gewesen. Was mich im Vorfeld bereits ein wenig überzeugt hatte, war die kleine LX 15 von Panasonic, eine Taschenkamera ohne Sucher mit 1 Zoll Sensor, also noch kleiner als MFT. Von der Bildqualität war ich derart überrascht, dass ich sie fast immer mit mir trug und im Wechsel mit der Nikon nutzte, wenn ich schnell mal etwas Weitwinkel brauchte und keine Lust hatte, das Objektiv dauernd zu wechseln. Für Reportagen, Selfies und selbst Videos in 4 K nutze ich sie immer noch gerne, allerdings bei Video in Verbindung mit externer Tonaufzeichnung. Nun aber endlich zur GX9.

Seit dem Verkaufsstart habe ich das Ding. Das Kitobjektiv 12-32 erst mal beiseite gelegt und mir das günstige 20mm Panasonic 1,7 dazu bestellt. Es ist fast genauso flach und liegt etwas über der „Reportagebrennweite“ von 35 mm, passt aber perfekt für meine Zwecke. Man braucht keinen großen Rucksack, die Kamera passt in eine größere Jackentasche, Ersatzakku und das 12-32er stecke ich mir in die Brusttasche. Und schon kann’s losgehen. Dank dem Klappbildschirm kann man auf so manche Verrenkung verzichten, lediglich eine Mikrofonbuchse habe ich anfangs schmerzlich vermisst. Aber bitte, bei dem Preis kann man nicht alles haben. Für den perfekten Ton nutze ich dann eben mein Zoom Hn1, was soll’s? Außerdem fotografiere ich mehr mit der GX9, weil sie eben so handlich und deshalb überall dabei sein kann.

Was mir nicht gefällt: Die GX9 ist nicht wetterfest. Bisher hat sie keinen Schaden genommen, obwohl ich sie nicht schone, aber Starkregen oder eine staubige Rennpiste würde ich ihr nicht zumuten wollen. Das Rad für die Belichtungskorrektur verstellt man manchmal unabsichtlich, wenn man die einzelnen Fotografier-Modi wechselt. Das nervt und es dauert, bis man sich angewöhnt hat, darauf besser zu achten. Der Verschluss der Batterieklappe hält, aber wirkt so, als würde er irgendwann seinen Geist aufgeben. Nach wirklich rauem Einsatz ist das zwar noch nicht passiert, aber es kann ja noch kommen.

Ansonsten liebe ich dieses Gerät einfach, weil es so flexibel ist. Schließlich kann man jedes MFT Objektiv damit nutzen. Für Porträts mit der GX 9 habe ich mir das schlanke 42,5 mm 1,7 geholt. Damit hat man auf Vollformat umgerechnet die klassische 85er Brennweite und kann ein zauberhaftes Bokeh aus der Kamera kitzeln. Für viele Zwecke reicht das vollkommen aus. Mit der Fuji X100V liebäugle ich dennoch, doch der Qualitätsunterschied von MFT zu APS-C ist mir zu gering, um dafür mit Zubehör ca. 1600,- Euro auszugeben. Sollte die GX9 irgendwann ihren Dienst aufgeben, dann allerdings ist das eine Überlegung wert. Bis dahin ist und bleibt die GX9 deshalb für mich (!) die beste Kamera zur Streetfotografie – keine Frage.

Ach, übrigens: „Streetfotografie“ geht natürlich auch zuhause 🙂